|
B i e n e
Hallo,
ich bin die Biene. Geboren wurde ich Ende der 90er-Jahre in Spanien. Meine Eltern waren wohl ein Dackel und ein Beagle, vielleicht auch Mischlinge dieser Rassen, ich weiß es nicht genau.
Über die ersten Jahre meines Lebens möchte ich nicht gerne sprechen, ich habe so viele schlimme Dinge erlebt.
Ich muß oft getreten worden sein - mindestens zwei alte Rippenbrüche konnten die Tierärzte bei mir finden.
Mein rechtes Hinterbein hat man mir aus purer Bosheit mehrfach gebrochen, verdreht und so festgebunden.
Mit diesem kaputten Beinchen, abgemagert und verdreckt tauchte ich schließlich vor über einem Jahr in einem kleinen Dorf in Galizien auf und schloß mich da einer Gruppe von Hunden an, fünf waren wir insgesamt.
Drei meiner Freunde sind mittlerweile auch in Deutschland gut untergebracht, der vierte, ein weißer Schäferhund, irrt nach wie vor durch die Straßen dieses Dorfes und lässt sich bis heute nicht anfassen, so groß ist seine Angst vor den Menschen.
Ich habe ganz bestimmt eine furchtbare Vergangenheit hinter mir, aber ich habe den Weg zurück ins Glück gefunden dank vieler lieber Menschen, die sich meiner angenommen haben.
Der erste dieser lieben Menschen war der Tierarzt des kleinen galizischen Dorfes. Er war es, der Maria Recio von mir erzählte.
Gemeinsam haben sie meinen Schlafplatz ausfindig gemacht und mich mit viel List und Tücke eingefangen.
Erst war ich ganz steif auf Marias Arm, aber nach und nach habe ich mich entspannt - ich wusste, dass sie es gut mit mir meint.
Maria hat sich sehr um mich bemüht und viele Tierheime und Tierschutzorganisationen in Deutschland um Hilfe gebeten, aber niemand war bereit mich aufzunehmen - niemand, außer Anna und Detlef von Collies und Shelties in Not.

Gemeinsam mit Lad kam ich im Dezember nach Deutschland.
Meine liebe Pflegemama Frau Ackermann war schier entsetzt als sie sah, in welchem Zustand ich mich befand.
Die ersten Tage bei ihr habe ich ganz still und leise auf einem Kissen verbracht und mich kein bisschen gerührt, meine Angst war einfach zu groß.
Es hat lange gedauert, bis ich zum ersten Mal den Garten betreten habe.
Frau Ackermann hat sich soviel Mühe mit mir gegeben und vieles von dem, was die Menschen meiner kleinen Seele angetan hatten, wieder gut gemacht.
Mein Beinchen aber konnte sie nicht retten, es musste amputiert werden.
Ängstlich und behindert wie ich nun mal war, war eine Vermittlung schier unmöglich - dachte Frau Ackermann! Aber wie so oft im Leben kam es anders...

Am Karfreitag hat eine furchtbar liebe alte Mischlingshündin die Reise über die Regenbogenbrücke antreten müssen.
Zurückgelassen hat sie zwei sehr traurige Menschen und ihren Freund, den dreibeinigen spanischen Mix Fips sowie zwei hundeerfahrene Katzen.
Wie es der Zufall wollte, ist der weibliche Part der beiden Menschen recht aktiv im Handicap-Hunde-Forum auf www.behinderte-hunde.de und kennt darüber Martina Krämbring, die ihrerseits Collies und Shelties in Not unterstützt.
Martina erzählte Anna von dem schlimmen Verlust und der Suche nach einem neuen Freund für Fips.
Anna sagte sofort nur einen Namen: meinen! Schnell wurden Fotos von mir per Mail verschickt - daraufhin saßen zwei Menschen vor dem PC-Monitor und betrachten mich verzückt.

Obwohl es eigentlich Liebe auf den ersten Blick war, zögerten sie einige Tage bis sie Kontakt zu meiner Pflegestelle aufnahmen.
Ein Termin für ein unverbindliches Treffen zwischen Fips, den beiden Menschen und mir wurde ausgemacht, das Wichtigste war schließlich, dass wir Hunde uns mochten.
Schon wenige Tage später legten die drei eine Strecke von gut 400 km zurück um mich kennenzulernen.

Kaum angekommen, sahen sie mich laut kläffend mit dem Rest der Hundemeute hinter dem Tor herum flitzen und in dem Moment war klar: die oder keine - sagt mein neues Frauchen zumindest.
Ja, ihr habt richtig gelesen, ich habe nun tatsächlich eine eigene Familie!
Irgendwie habe ich mich aber auch zu den beiden hingezogen gefühlt, meine Frau Ackermann meinte sogar, ich wäre ungewöhnlich aufgeschlossen gewesen.
Draußen habe ich zwar interessiert geschnüffelt, aber auch blitzschnell das Weite gesucht, wenn diese fremden Leute sich bewegt haben.
Im Haus allerdings habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich streicheln lassen. Das war toll!
Ich hab sofort gemerkt, dass die zwei darin richtig viel Übung haben und mal ehrlich: Menschen, die so toll kraulen können, müssen doch einfach lieb sein, oder?

Seit einigen Monaten bin ich jetzt in meinem neuen Zuhause und es geht mir einfach nur prima!
Ich werde von Tag zu selbstsicherer, laufe prima an der Leine, kuschele ganz viel mit meinen Menschen und schlafe schon seit der zweiten Nacht im Bett!
Das ist übrigens behindertengerecht tiefergelegt und deshalb komme ich da problemlos alleine rein und raus.
Das Allerschönste aber ist: ich habe mich verliebt! In Fips!
Der ist sooo klasse, wir spielen ganz viel miteinander, er kaut zärtlich auf meinen Ohren herum und geschlafen wird meist eng aneinander gekuschelt.
Sowohl Spielzeug als auch Futter teilen wir gerne, da gibt es überhaupt keinen Streit.
Mit Fips an meiner Seite fühle ich mich auch in vielen Situationen viel sicherer, der hat nämlich vor gar nichts Angst und das überträgt sich auch ein bisschen auf mich.
Selbst zwei Tierarztbesuche habe ich mit seiner Hilfe erfolgreich gemeistert und mich dort sogar füttern und streicheln lassen - ich, die schüchterne Biene, die noch vor wenigen Monaten tagelang voller Angst auf einem Kissen gehockt hat!

Gemeinsam mit Frauchen haben Fips und ich vor kurzem auch Martina und ihre drei Hunde besucht und das hat mir richtig gut gefallen, so gut, dass ich tatsächlich ein bisschen mit Martinas Flöckchen Zerrspiele gespielt habe.
Martina ist übrigens zu meiner Patentante ernannt worden, denn ohne sie hätten meine Leute wohl niemals von mir erfahren.
Und übrigens, es interessiert hier niemanden, dass ich nur drei Beine habe und das finde ich toll.
Ich bin nämlich eigentlich auch "nur" ein Hund wie jeder andere und so möchte ich auch behandelt werden.
Mitleid haben weder ich noch Fips nötig, uns könnte es nicht besser gehen.

Also, ihr Menschen, gebt bitte auch uns Tieren mit Handicap eine Chance, sie haben es so sehr verdient!
Wir sind genauso lieb und hübsch wie alle anderen und noch dazu echte Unikate.
Ich habe zwar in meinem Leben viel Leid erdulden müssen, aber ich habe auch viele wahre Engel getroffen: den Tierarzt, Maria, Anna und Detlef, meine Frau Ackermann, Martina und schließlich meine neue Familie.
Vielleicht könnt ihr so ein Engel für einen armen Kumpel sein und ihm zeigen, dass das Leben auch schön sein kann?
Wenn ihr einem behinderten Hund ein Zuhause geben möchtet, schaut euch doch mal auf www.behinderte-hunde.de um.
Bei Fragen stehen euch mein Frauchen und ihre Freunde jederzeit gerne im Forum oder auch per Mail zur Verfügung!

Ihr habt sicherlich schon erraten, wer der fesche Kerl auf den Bildern ist, oder? Ja, das ist mein Fips :o) ...
Viele liebe Grüße von
Biene, die ihren Platz gefunden hat und dort niiieee mehr weggeht!
21.01.2007
Ein noch viel zu junges Leben wurde brutal durch einen feigen Giftanschlag beendet.
Wer es war ist unbekannt, aber möge diese Bestie eines Tages in der Hölle schmoren ...
|
|