C a m a r o n

Hola,

mein Name ist Camaron, was übersetzt soviel wie "Garnele" bedeutet.

Diesen Namen gab man mir in meinem Heimatland Spanien aufgrund meiner Fellfarbe.

Meiner deutschen Familie gefiel der Klang so gut, deshalb haben sie ihn beibehalten.

Und zum Glück kennt hier ja kaum jemand die wahre Bedeutung - stellen Sie sich mal vor, Sie müßten auf der Hundewiese aus vollem Halse "Gaaarneeeeeleeee" brüllen :o)



Geboren wurde ich schätzungsweise im Frühjahr 2005, ich bin also gerade noch dabei so richtig erwachsen zu werden.

An meiner Entstehung war unzweifelhaft ein Podenco Ibicenco beteiligt, allerdings bin ich mit 49 cm Schulterhöhe und 12 kg Gewicht ein bißchen klein und schmächtig geraten.

Sie wissen bestimmt, was man so im Allgemeinen über kleine Männer sagt... Aber ganz ehrlich, ich erfülle wirklich nicht ein einziges dieser Klischees!

Im Mai 2006 irrte ich mit einem völlig zertrümmerten Hinterbein - man sagt, die Knochen wären regelrecht pulverisiert gewesen - an einer spanischen Landstraße herum.

Jetzt wäre es natürlich naheliegend zu denken, dass ich von einem Auto angefahren wurde.

Aber überlegen Sie bitte einmal: wäre dann nur mein Bein gebrochen gewesen?

Hätte ich nicht noch andere Verletzungen haben müssen, zumindest Schürfwunden?



Falls Sie sich schon ein wenig mit dem Thema Auslandstierschutz beschäftigt haben wissen Sie sicherlich, dass gerade Jagdhunde dort nicht selten auf grausame Art und Weise "entsorgt" werden.

Setzt man sie aus, bricht man ihnen häufig vorher noch die Beine - sicherheitshalber, damit sie dem Auto nicht hinterherlaufen können.

Die Theorie, dass mich ein ähnliches Schicksal ereilt haben könnte, wird noch von der Tatsache untermauert, dass in meinem linken Vorderbein eine Gewehrkugel steckt...

Trotz allem hatte ich jedoch Glück im Unglück: ein junges Paar entdeckte mich, sammelte mich ein und brachte mich zum Tierarzt.

Alles andere als eine Selbstverständlichkeit in Spanien... Eigentlich hätte die Tierärztin mich sofort eingeschläfert, für einen herrenlosen Hund zahlt schließlich niemand die Rechnung.

Aber wieder hatte ich Glück: sie verliebte sich in meine schönen Augen und brachte es einfach nicht übers Herz mich zu töten.

Stattdessen amputierte sie mein Bein und brachte mich als ich mich wieder halbwegs erholt hatte ins einzige Tierheim im Umkreis von über 100 km.

Und mal wieder war genau das mein Glück: Maria, die Leiterin des Tierheims, hatte Kontakt zu Sascha und Katja in Deutschland, die erst wenige Wochen zuvor die behinderte Rosi übernommen hatten.





Also wurden Fotos per Mail verschickt und schon war meine Zukunft sicher, als Pflegehund sollte ich zu den beiden und ihrem tierischen Rudel ziehen.

Ende Juli war es dann endlich soweit und kaum hatte ich meine Transportbox verlassen sah ich in den menschlichen Augen um mich herum nur noch lauter Herzchen.

Als ich mich dann auch noch auf Anhieb mit den anderen Dreibeinern und sogar mit den beiden Katzen verstand, hatte sich das Thema Pflegehund glücklicherweise ganz schnell erledigt.

Viele Leute meinen anscheinend, ein dreibeiniger Hund wäre auch gleichzeitig ein "armer" Hund - von wegen!

Mülleimer zum Beispiel muß man konsequent aus meiner Reichweite entfernen.

Und ich kann Ihnen versichern, meine Reichweite ist ziemlich groß!

Nicht ohne Grund stehen seit meinem Einzug die Mülleimer in Abwesenheit meiner Menschen auf der Küchenzeile - und zwar nicht auf der Arbeitsplatte, das wäre ja lächerlich, sondern auf den Hängeschränken.

Aber da komm ich irgendwann auch noch dran, ich muß nur noch ein bißchen an meiner Technik feilen.



Toilettenpapier sollte man ebenfalls besser vor mir verstecken, erst kürzlich habe ich mehrere Rollen in mikroskopisch kleine Einzelteile zerlegt - Frau Holle läßt grüßen!

Und wenn ich einen besonders netten Tag habe, hole ich der ollen Rosi auch schon mal einen Apfel aus dem Obstkorb, selber kann die Trulla das ja nicht.

Mometan besuche ich übrigens einen Grunderziehungskurs in der Hundeschule.

Da hats Katja aber nicht immer ganz einfach mit mir, statt so langweilige Sachen wie "sitz" und "bleib" zu machen würde ich nämlich oft viel lieber jagen gehen.

Mein stark ausgesprägter Jagdtrieb ist auch der Grund dafür, dass ich immer noch an der Schleppleine laufe.

Ansonsten wäre ich wohl weg, wenn ich ein Kaninchen wittern würde, dann höre und sehe ich nix mehr.

Und zusätzlich bin ich noch verdammt schnell, da könnte sich manch vierbeiniger Artgenosse noch eine Scheibe abschneiden.

Sie sehen, mit einem Dreibein wie mir wird es bestimmt nie langweilig.



Abgesehen von meinen lustigen Einfällen bin ich aber auch sehr sensibel, ein lautes Wort und ich bin erstmal für die nächste Zeit verschwunden.

Auf Streß jeglicher Art - auch positiven - reagiere ich schnell mit Erbrechen und Durchfall, da hab ich mich dann einfach nicht mehr im Griff.

Und liebebedürftig bin ich, aber wie! Ich brauche nicht nur ganz viele Schmuseinheiten, sondern auch jede Menge Körperkontakt.

Am allerliebsten schlafe ich AUF meinen Menschen und wenn das nicht geht müssen die anderen Dreibeiner oder Kater Merlin herhalten.

Meinen tierischen Mitbewohnern muß ich auch andauernd bei der Körperpflege helfen, sonst würden die ständig ungewaschen durch die Gegend laufen - ich kann Ihnen sagen, wenn ich mich nicht um alles kümmern würde, würden hier Zustände herrschen!

Weiß gar nicht, wie die so lange ohne mich ausgekommen sind...

So, ich hoffe, ich konnte Ihnen nun mit meinem Bericht beweisen, dass wir behinderten Hunde ganz bestimmt keine bedauernswerten Wesen sind.

Und sollten wir uns einmal persönlich begegnen und Sie sagen trotzdem "armer Hund" zu mir, dann drehen Sie mir danach besser nicht mehr den Rücken zu - es könnte sonst sein, dass ich Ihnen ans Bein pinkle!


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