L u c k y

Mein schönster Tag

Nun bevor ich mit meiner Geschichte beginne, möchte ich mich erst mal vorstellen.

Ich heiße Strolchi und bin ein 10 Monate alter Dalmatiner Rüde.

Ich bin taub, aber ich muss sagen es stört mich gar nicht.



Die ersten 10 Monate meines Lebens waren nicht so schön.

Ich wurde irgendwann von meinen Geschwistern getrennt, und kam dann zu einer Familie, die es nicht besonders gut mit mir meinten.

Ich habe mir immer ganz große Mühe gegeben, zu verstehen was sie von mir wollten, aber das war nicht immer einfach, da ich sie ja nicht hören konnte.

Denen ist ja noch nicht einmal aufgefallen das ich taub bin.Nach einigen Monaten, als ich gerade im zarten Alter von 6 Monaten war, haben sie mich einfach ins Tierheim gebracht, mit der Begründung das ich nicht folgsam wäre.

Jedes mal wenn im Tierheim Besuchszeit war, bin ich aus meiner warmen Bude raus, und habe mein schönstes Lächeln aufgesetzt, aber bis jetzt hat sich noch niemand für mich interessiert.




Eines Tages kamen zwei 2-Beiner zu meinem Zwinger. Die waren so richtig lieb.

Haben die denn nicht auf meinem Zettel im Zwinger gelesen das ich taub bin, so ist es nämlich mit den meisten Besuchern, erst sind sie ganz freundlich zu mir, aber wenn sie den Zettel lesen, auf dem mein Name, Alter und meine Eigenschaften stehen, laufen sie wieder weg.

Sie haben mich sogar ausgeführt, es war auch noch ein anderer Hund dabei, so ein "Möchtegern Dalmatiner", der ganz schwarz war, und nur auf der Brust so gefleckt wie ich.

Nach dem Spaziergang haben sie mich aber auch wieder abgegeben, da hättet ihr mich mal hören sollen, ich habe fürchterlich geschrieen. Die Frau hat mich noch mal richtig geknuddelt und mir was ins Ohr geflüstert.

Wie gerne hätte ich verstanden, was sie mir gesagt hat. Aber ich glaube sie meinte es wirklich gut mit mir. Sie war auch ganz traurig und ich meine ich hätte ein Tränchen in ihren Augen gesehen. Mir war echt zum heulen zu Mute. Ja so gingen dann weitere Tage in diesem trostlosen Gefängnis hin, ohne das was großartiges passierte, bis heute ...

Mensch Leute, ihr werdet es kaum glauben, aber heute war mein Tag.




Er hat schon ganz komisch angefangen. Normalerweise bekomme ich morgens immer mein Futter.

Heute aber nicht, ich dachte schon na das kann ja heiter werden. Jetzt vergessen die mich sogar noch zu füttern. Ich hatte solchen Kohldampf.

Etwas später kam die Pflegerin mit der Frau zu mir, die schon ein paar Mal da war. Ich habe mich so gefreut sie wieder zu sehen, es war auch noch eine andere Frau dabei. So ein Blondinchen. Sie haben mich nicht vergessen. Ich konnte es kaum glauben.

Wir sind dann alle zusammen spazieren gegangen, nach so langer Zeit in Haft, könnt ihr euch ja vorstellen wie ich mich gefreut habe. Draußen wartete auch noch der andere Hund, der Spike heißt wie ich später herausfand, und sein Herrchen.

Alle waren ganz lieb zu mir, und ich habe mich auch ganz doll angestrengt artig zu sein. So nach einer Stunde spazieren gehen, sind wir wieder zurück zum Tierheim gelaufen. Je näher wir zum Tierheim kamen, desto unruhiger wurde ich. Nein, nicht schon wieder da rein. Ich würde so gerne bei euch bleiben. Aber sie konnten Hundisch ja nicht verstehen.




Da heute Flohmarkt im Tierheim war gab es auch Kaffee und Kuchen. Die 2-Beiner haben dann erst mal gefrühstückt. Mensch, wussten die denn nicht das ich heute noch nichts zu fressen bekommen hatte.

Ich natürlich wie ich bin, rauf auf den Tisch. Aber das Blondinchen war schneller wie ich. Die andere Frau ist dann mit mir raus. Aber was sah ich da, sie hatte ein Stück Kuchen in der Hand.

Und schwupp die wupp habe ich es ihr mal gleich aus der Hand genommen. Die hat vielleicht geguckt. Ich dachte schon na das war's ja dann wohl. Aber sie hat ganz cool reagiert, und hat auch gar nicht mit mir geschimpft.

Die anderen beiden sind dann auch wieder raus gekommen, und dann, ich konnte es wirklich kaum fassen, durfte ich ins Auto. Ich habe mich dann gleich ganz brav hingelegt, ich war ja auch todmüde von den ganzen Aufregungen.

So nach einer Stunde Autofahrt sind wir alle ausgestiegen, und in einen großen schönen Garten gegangen. Da durfte ich so richtig mit dem anderen Hund toben. Das war vielleicht toll.



Etwas später habe ich dann den Garten genau erkundet. Was war denn das mitten im Garten, eine riesengroße Folie, das muss ich mal genauer inspizieren.

Je weiter ich in die Mitte der Folie gelaufen bin, desto mehr stieg auf einmal Wasser an, wo kam das denn her.

Ich habe dann auf mein neues Frauchen geschaut und die hat wie wild mit den Händen herum gefuchtelt. Ich bin dann ganz schnell wieder da raus. Ganz geheuer war mir das ja auch nicht. Ich glaube das war so ein Ding wo die Menschen im Sommer baden gehen.

Nachdem wir uns ausgetobt hatten, gingen wir ins Haus und haben erst mal leckeres Futter bekommen. Danach bin ich durchs ganze Haus getigert, und habe mal geschaut was es da alles so gibt. Mein neues Rudel hat sich dann im Wohnzimmer versammelt. Irgendwann habe ich mich dann erschöpft aber ganz glücklich neben Spike gekuschelt und erst mal ne Runde gepennt.

Abends haben dann Frauchen, Herrchen, Spike und ich einen schönen Spaziergang gemacht. Ich durfte im Feld sogar ganz ohne Leine laufen. Habe auch immer ganz arg auf mein Rudel geachtet. Frauchen hat dann immer so ein komisches Handzeichen gemacht, na dachte ich mir gehst halt einfach mal hin und guckst was die will. Als ich bei ihr ankam habe ich gleich ein Leckerli bekommen. Das muss ich mir unbedingt merken, das man sich so einfach ein Leckerli verdienen kann.

Spät Abends hat das ganze Rudel sich getrennt, jeder ist hinter einer anderen Tür verschwunden. Ich bin dann mir Herrchen und Frauchen ins Schlafzimmer. Dort stand ein Hundekörbchen, in das ich mich dann auch gleich reingelegt habe.




Aber als das Licht ausging, habe ich mich gar nicht mehr so wohl in diesem Körbchen gefühlt.

Also nichts wie rein ins Bett. Ich glaube das fanden die gar nicht so toll, die haben mich nämlich gleich wieder rausbugsiert.

Das habe ich dann aber bestimmt noch 10 Mal so gemacht. Aber da war nichts zu machen.

Die wollten mich einfach nicht in ihrem Bett haben. Irgendwann habe ich mich halt mit dem Körbchen begnügt.

Mittlerweile sind schon einige Monate vergangen in denen vieles passiert ist. Ich habe auch einen neuen Namen bekommen, ich heiße jetzt Lucky, und das bin ich ja auch. Ich habe vieles gelernt, gehe in die Hundeschule und Frauchen ist ganz stolz auf mich.

Auch finde ich mittlerweile Besucher nicht mehr so bedrohlich, am Anfang habe ich Frauchen wohl ganz schön gestresst. Die ganze Straße wusste immer wenn ich spazieren ging, ich habe nämlich den ganzen Weg entlang gejault und geschrieen. Ich hatte vor vielen Sachen Angst. Aber Frauchen hatte viel Geduld mit mir. Jetzt fühle ich mich richtig sicher und mache auch gar kein Theater mehr.

Der Spike ist mein bester Freund, wenn er auch manchmal ganz schön schwer von Begriff ist der Döddel. Der steht immer an der Tür wenn er raus will und kratzt, na ja habe ich mir gesagt musste ihm wohl helfen. Denn ich kann alle Türen aufmachen. Was Frauchen manchmal gar nicht so komisch findet. Mittlerweile schließt sie die Türen auch zu. Aber ich werde dran arbeiten den Schlüssel rum zudrehen.

Am Anfang hat Frauchen oft mit mir schimpfen müssen, weil ich alle möglichen Sachen angestellt habe. Ich kann sogar die Backofentür öffnen. Frauchen dachte nämlich sie wäre besonders schlau, und hat die gut riechenden Sachen im Backofen versteckt, weil ich sie immer runter geholt habe. Ich bin zwar taub aber bestimmt nicht doof, also habe ich die Backofentür einfach aufgemacht.

Alleine bleiben wollte ich auch nicht, aber mittlerweile weiß ich das Frauchen mich nicht lange alleine lässt und auch immer wieder kommt, außerdem ist mein Kumpel Spike ja auch noch da. Wir legen uns dann hin, und schlafen bis sie wieder kommt.

Jetzt im Sommer finde ich unseren Pool am besten. Frauchen hat mich einmal mit reingenommen, und ich fand das einfach genial.

In Urlaub war ich auch schon zweimal, aber da fühle ich mich noch nicht so wohl. Ich habe immer noch Angst das sie mich verlassen könnten. Ich kann dann ganz schlecht schlafen, weil ich ja immer schauen muss ob mein Rudel noch da ist.

Er hat aber auch seine guten Seiten, ich darf dann nämlich bei Frauchen im Bett schlafen, und wenn sie ein Stückchen wegrückt von mir, rücke ich einfach nach. So merke ich natürlich wenn sie weggehen würde. Frauchen und Herrchen haben dann ganz viel Zeit für uns, zum spielen und spazieren gehen. Wenn ich mir das dann so recht überlege ist das doch nicht so übel.

Also wie ihr seht, fühle ich mich hier Pudelwohl, obwohl ich wohl kaum wie ein Pudel aussehe, aber Ihr wisst ja bestimmt wie ich das meine.

Lucky (der jetzt richtig lucky ist)


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