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R a f f a e l
Wie alles seinen Anfang nahm....
und Raffael ein neues Zuhause fand
* 26.05.2002 † 24.07.2003
Pro Animal de Tenerife ist ein Tierschutzverein im Einsatz für Hunde in Not in den Bergwäldern Teneriffas.
Anfang April 2003 nahm alles seinen Anfang; Raffael, ein Mischlingsrüde, der von seiner Umwelt bereits aufgegeben wurde, ja vielleicht sogar gab er sich selber auf, bis sich seiner Elke Rossmann annahm.
Selbst hätte sie die ersten drei Wochen aufgeben können, doch sie glaubte an ihn, denn er könnte ein gutes Leben haben, wenn er mit ihr kontinuierlich arbeitet. Raffael wusste sehr wohl, wie es um ihn stand, er wanderte den ganzen Tag im Garten herum und auch gerade dadurch konnte er sein Rückgrad mehr und mehr strecken.
Anfangs lief er noch über Stunden im Kreis herum, doch mit Zeit fing er an immer mehr geradeaus zu gehen. Fiel er auch noch anfangs hin, zweifelte er nicht an sich selbst, nein, er wusste, dass man an ihn glaubte. Er setzte alles daran und bewies von mal zu mal mehr Stehvermögen.
Er hatte sein kleines Reich gefunden, fühlte sich wohl und geborgen, er liebte es, sich im Garten zu sonnen und suchte auch von Zeit zu Zeit den Kontakt zu seinen Artgenossen.

Seine Leibspeise war gekochtes Rindfleisch mit frischem Gemüse und ein wenig Reis. Jedoch nahm er am liebsten nur das Fleisch an und Brühe mussten wir ihm untermischen, weil er sonst gar nichts trank. Er schien das Trinken gar nicht zu kennen und es war ein täglicher Kampf, ihn zum Essen und Trinken zu bekommen.
Jeder Tag seines Lebens; ja es fing erst jetzt an, obwohl er bereits 7 Monate alt gewesen sei; schenkte ihm mehr Lebensqualität, nun lebte er seit dem 31.05.2003 bei mir und ich möchte die Zeit mit ihm wirklich nicht missen, denn es lag uns sehr viel daran, dass er hier in Deutschland untersucht werden kann.
Raffael hatte einen vorschreitenden Wasserkopf, wie ich später in Deutschland erfuhr, dennoch bewies er anfangs von Tag zu Tag seine Orientierungsfähigkeit. Er liebt den täglichen Spaziergang mit uns und hat gerne Gesellschaft um sich herum, einfach nur, damit er weiß, dass man ihn nie wieder seinem eigenen Schicksal überlässt.

Nun war er etwa 1 Jahr alt und hatte sein ganzes Leben noch vor sich und konnte in Deutschland bei einer Tierklinik untersucht werden. Der Audiometrietest ergab, dass er auch einen einwandfreien Gehörsinn hatte, leider drückten die Wasseransammlungen auf den Sehnerv, wodurch er erblindete.
Er war absolut genügsam und wirkte für mich aber auch nicht abwesend. Wenn jemand den Raum betritt, scheint er dies auch sofort wahrzunehmen. Ich hoffte, dass ich ihm wieder neuen Lebensmut schenken konnte.
Da sage mal einer, Raffael könnte nicht gehen, den täglichen Spaziergang hatte er wirklich wunderbar gemeistert, hatte überall so am Wegesrand mal geschnüffelt, wer denn da schon seine Fährte gelegt hat.

Er wollte eigentlich gar nicht wieder Heim, da bellte er sogar einmal, aber ich habe ihm dann versprochen, dass er sich für heute schon genug angestrengt hat und er seine Energie dann für den morgigen Spaziergang einsetzen sollte... meine Großmutter hatte mit Raffael zuerst gelernt, wie er im Zimmer bei Fuß geht, so kann er sich an den Menschen orientieren, damit er geradeaus geht, da müssen wir halt für ihn sehen. Nun geht er daher auch schon an der Leine.
Ich hatte das Gefühl, dass er eine Aufgabe braucht, aber immer nur kleine Schritte, überanstrengen soll er sich dabei auf keinen Fall und sich sonst eher noch langweilen würden, auch wenn die Kätzchen, die er aus Spanien mitbrachte, ihm meist Gesellschaft leisteten.
Die Zeit im Garten genoss er am meisten, einfach mal Sonne tanken und immer fein die Streicheleinheiten annehmen und dabei räkelte er sich immer so herrlich zufrieden.
Raffael bedeutete mir inzwischen wirklich unheimlich viel und ich hatte auch das Gefühl, dass er von Tag zu Tag mehr Vertrauen zu mir fasste, sei es bei den Spaziergängen, oder auch nur, wenn man ihn trägt oder woanders hinlegt, wo er es bequemer hat. Ich glaube, er wusste einfach, dass man es gut mit ihm meint.

Leider gab es dann einen Rückfall und er konnte nicht mehr spazieren gehen, es sah so aus, als wenn er sich immer schwieriger auf seinen eigenen Beinen halten konnte, dann ließ er sich einfach wieder zu Boden sinken.
Später konnte er sich nicht mal mehr auf seinen Vorderbeinen vorwärts bewegen, er hatte keine Kraft dafür, egal was wir auch versucht hatten. Ich war immer jede Nacht bei ihm, hatte keinen Schlaf bekommen, da er etwa alle 2 - 3 Stunden raus musste, um sein Geschäft zu machen.
Er konnte das noch nicht kontrollieren und er war in dieser Hinsicht wie ein Welpe gewesen. Dies war mitten in meiner Abschlussprüfung, aber erklären Sie das mal einem späteren Arbeitgeber! Jedenfalls bleibt Raffael immer mein kleiner Engel ohne Flügel. Später saß ich mit ihm nachts im Zimmer, und er heulte, um uns zu zeigen, dass er Schmerzen hatte. Da wusste ich, dass wir ihn gehen lassen mussten; der Wasserkopf ließ sich nicht aufhalten.
Ich wusste nicht, dass er einen Wasserkopf hatte, mir war nur bekannt, dass er blind und eventuell taub sei. Wenn ich heute noch mal entscheiden könnte, dann wäre er bei Elke Rossmann geblieben, um ihm nicht noch die Strapazen des Fluges zuzumuten.
Aber ich wusste auch, dass ich wieder einen Hund aus dem Ausland haben wollte, nachdem ich mich damit beschäftigt hatte, wie schlimme Zustände dort herrschen.

Heute begleitet Hans, ein ehemaliger spanischer Straßenhund unser Leben und etwas haben die zwei dann doch gemeinsam, beim Spazieren gehen wedeln sie so freundlich mit der Rute, irgendwas muss ich dann doch richtig machen, auch wenn ich mich immer noch frage, ob meine Entscheidung richtig war....
In Gedenken an Raffael, meinen Engel ohne Flügel!
* 26.05.2002 † 24.07.2003
Wir erinnern uns ...
Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an dich,
beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an dich,
beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an dich,
beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an dich,
zu Beginn des Jahres
und wenn es zu Ende geht,
erinnern wir uns an dich,
wenn wir müde sind
und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an dich,
wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen,
erinnern wir uns an dich,
wenn wir Freude erleben,
die wir so gerne teilen würden,
erinnern wir uns an dich
so lange wir leben, wirst du auch leben,
denn du bist ein Teil von uns,
wenn wir uns an dich erinnern.
(nach "Tore des Gebets",
Reformiertes Jüdisches Gebetsbuch,
Wenn das Leben mit dem Tod beginnt.)
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