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R o s i

Mein Name ist Rosi, ich bin eine Sabueso-Mischlingshündin im zarten Alter von ungefähr 8 Jahren.
Genau kann das keiner sagen, weil man über meine Vergangenheit praktisch nichts weiß. Meine Leute vermuten, dass ich früher mal einem Jäger gehörte.
Vielleicht brachte ich auf der Jagd irgendwann nicht mehr die gewünschte Leistung, vielleicht war ich ungehorsam, vielleicht war ich auch einfach nur lästig. Irgendwas muß jedenfalls der Grund dafür gewesen sein, dass er mir den Ellenbogen und das Karpalgelenk meines linken Vorderbeines brach - vielleicht einfach nur, dass er es konnte, dass er die Macht dazu hatte, mir so etwas anzutun? Zur Zucht war ich aber wohl noch gut genug, mein Gesäuge zeugt von unzähligen Würfen. Jede Menge Zeit dafür war jedenfalls, als ich im Januar 2006 ins Tierheim von Villagarcia de Arosa kam waren meine Beinbrüche vermutlich schon einige Jahre alt.
Da saß ich also, ich behinderter Hund, in einem völlig überfüllten spanischen Tierheim. Die Chance, dort je wieder rauszukommen ging gegen null. Aber bekanntlich soll man niemals nie sagen... Der Tierarzt in Spanien riet dazu, mein Bein zu amputieren. Aber vielleicht gab es in good old germany doch noch Mittel und Wege, mir dies zu ersparen? Mit dieser Hoffnung im Gepäck trat ich im Mai 2006 meine Reise Richtung Deutschland an. Dort sollte ich bei Fips, Biene, den Katzen Merlin und Emily und Katja und Sascha als Pflegehund wohnen. Nach der Operation meines Beines wollten sie ein gutes und endgültiges Zuhause für mich suchen.

Ein erster Tierarztbesuch zeigte jedoch, dass mein Bein nicht zu retten war, die Verletzungen waren einfach zu alt. Beide Gelenke waren steif, da war nichts mehr zu machen.
Nutzen konnte ich den Vorderlauf schon lang nicht mehr, ich schleifte ihn nur über den Boden und schürfte mir dabei die ganze Pfote auf.
Also taten die Tierärzte, was sie tun mußten: sie amputierten. Eine Nacht verbrachte ich nach der schweren Operation in der Tierklinik. Auch am nächsten Tag hatte man erst Zweifel, ob man mich tatsächlich schon entlassen könne, ich wollte einfach nicht stehen geschweige denn laufen. Zum Glück wurde ich dann aber doch heimgeschickt. Kaum hielt das Auto vor der Haustür gab es für mich kein Halten mehr, ich jammerte und jaulte, damit man mich auch ja nicht vergaß. Ich wußte eben schon damals wo ich hingehöre - nur meine Menschen, die haben noch ein bißchen länger gebraucht um das zu kapieren.
Von meiner Amputation erholte ich mich in rasantem Tempo, stehen und laufen wollte ich nämlich nur in der Tierklinik nicht. Zuhause klappte das sehr wohl, da konnte ich sogar schon am Tag nach der OP wieder ins Bett springen. Nur unwesentlich länger hat es gedauert, bis ich die Treppenstufen zur Haustür wieder hoch und runter gelaufen bin als hätte ich nie vier Beine gehabt.

Aber das unbeschwerte Glück sollte nur kurz anhalten: vom jahrelangen Dreck hatte sich ein richtiger Pfropfen in meinem Ohr gebildet, der in Narkose entfernt werden mußte.
Bei der Gelegenheit sollte ich auch gleich kastriert werden.
Damit jedoch nicht genug, kurz vor der Operation wurden noch mehrere Gesäugetumore gefunden, es mußte also auch noch die gesamte Milchleiste entfernt werden. Die Tumore wurden eingeschickt und untersucht. Das Ergebnis: bösartig, allesamt, Krebs. Eine niederschmetternde Diagnose, aber ich hatte damit mein Ziel erreicht, denn meine Zweibeiner beschlossen mich bis an mein Lebensende bei sich zu behalten - na also, geht doch! Dass man bei euch Menschen immer erst zu solchen Mitteln greifen muß...
Obwohl ich bei dieser Operation regelrecht von hinten nach vorne komplett aufgeschnitten wurde, habe ich mich davon nicht sonderlich beeindrucken lassen. Da hatte ich in meinem Leben wirklich schon Schlimmeres erlebt! Ich hab einfach getan als ob nichts passiert wäre und der Alltag ging weiter. Zumindest, bis sich eine meiner Zehen am Hinterlauf entzündete... Um die Geschichte abzukürzen: ich wurde wieder operiert, das dritte Mal innerhalb von wenigen Monaten. Die Zehe mußte amputiert werden. Auf dem Röntgenbild wurden vorab einige kleine Punkte entdeckt - sollte der Krebs bereits gestreut haben? Meine Leute mußten einige Tage bangen, bis endlich das Ergebnis aus der Pathologie vorlag. Diesmal hatte ich Glück im Unglück, keine Tumore, nicht bösartig, kein Krebs.

Wenn ich jetzt sage, dass mich auch dieser Eingriff absolut kalt ließ wird Sie das wahrscheinlich nicht wundern, oder? Ich überlege allerdings schon, was ich mir als nächstes einfallen lassen könnte, ich muß meine Menschen schließlich ein bißchen auf Trab halten und meinem Ruf als ewige Baustelle gerecht werden.
Das Thema Gesundheit hätten wir nun abgehandelt, kommen wir zu meinem Charakter. Ich bin, hm, wie soll ich sagen, etwas eigen. Sabuesos sagt man allgemein eine gewisse Sturheit nach und davon haben mir meine Ahnen wohl so einiges mitgegeben. Wenn Rosi nicht will, dann will sie nicht, keine Chance, Schluß, aus, Ende, da lass ich nicht mit mir diskutieren. Regen zum Beispiel, den hasse ich. Bei so nem Sauwetter jagt man doch keinen Hund vor die Tür! Und überhaupt, vor die Tür gehen, wer will denn sowas? Ich jedenfalls nicht, ich fühle mich auf dem Sofa oder im Bett immer noch am wohlsten.

Vor allem, wenn ich dort von jeder Menge Plüschtiere umgeben bin.
Es hat zwar einige Zeit gedauert, aber mittlerweile habe ich meine Liebe zu Spielis entdeckt.
Selten trifft man mich ohne Kuscheltier in der Schnute an, denn ich bin meist damit beschäftigt, den Inhalt der Spielzeugkiste von A (Wohnzimmer) nach B (Schlafzimmer) und wieder zurück zu transportieren. Davon abgesehen hat mein Tag in der Regel drei absolute Highlights: Frühstück, Abendbrot und den Moment, in dem meine Menschenmama von der Arbeit kommt. Da tanze ich dann von einem Bein aufs andere und singe dabei in den höchsten Tönen, davon könnten sich manche Deutschland-sucht-den-Superstar-Kandidaten noch eine Scheibe abschneiden!

Die ersten Jahre meines Lebens waren sicher nicht die schönsten, aber das liegt jetzt hinter mir und ist für immer vorbei.
Egal, wieviel Zeit mir noch bleiben wird, seien Sie sich sicher: ich werde jeden einzelnen Tag genießen!
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