A r o n





Rasse: Dalmatiner weiß/braun

Geboren: 29.01.2006

Handicap: beidseitig taub

Meiner, am 21.01.2004 geborenen, hörenden Dalmihündin Pia wollte ich einen Dalmikumpel zur Seite stellen.

Ich suchte gezielt nach einem tauben Dalmatiner und fand Aron vom Thomas Hof, geb. am 29.01.2006, auf der HP von Dalmatiner in Not.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Noch heute werden taube Dalmatiner, auf Grund dieser Diagnose, getötet, das ist für mich unakzeptabel.

Vorgeschichte:

Die angeborene Taubheit kommt beim Dalmatiner immer wieder mal vor. Die Gründe sind aber noch nicht eindeutig erforscht.



Aron wurde mit diesem Gendefekt geboren und eine, in der 8. Woche durchgeführten, audiometrische Untersuchung (AEP) beim Tierarzt ergab, dass er taub ist.

Seine Züchterin hat ihn auf die Seite von Dalmatiner in Not gesetzt.

Somit hatte er eine gute Chance schon als Welpe in kompetenten Hände zu gelangen.

Über Internet und andere Täubchenbesitzer habe ich mich im Vorfeld in punkto Hörnixhundes informiert. Am 10.04.2006 war es dann soweit, Aron zog bei uns ein.

Einzug in unsere Familie:

Vom ersten Tag an haben wir mit Aron per Sichtzeichen kommuniziert. Einige kannten wir von Pias Ausbildung, einige haben wir uns ausgedacht, erprobt und wenn als praxistauglich erwiesen in die Übungen aufgenommen.




Selbstverständlich spreche ich auch mit Aron, denn an der Mimik kann er meine Stimmung ablesen.

Die Grundkommandos hat er schnell erfasst und viel Freude an der Ausbildung und an neu Erlerntem gezeigt.

Nach der Eingewöhnungszeit konnte er locker mit Pia und unseren zwei Katern alleine bleiben. Klar wurde er nachts auch mal wach und hat dann kurz nach mir gebellt.

Das hat sich im Zuge des Erwachsenwerdens jedoch gelegt. Im Haus ist Aron sehr pflegeleicht, klar ist er neugierig und schaut bei allen Arbeiten im Haus zu daher hängt er oft an meinem "Rockzipfel".

Geht er auf seinem Platz schlafen, steht er oft auf und schaute wo sein Frauchen sich gerade im Haus befindet, dann geht er wieder auf seinen Platz und schläft weiter.

Bei den Spaziergängen hat er sich von Beginn an sehr an mir orientiert und ständigen Blickkontakt gesucht.

Je mutiger er wurde seine Umwelt zu erforschen, je mehr hat er den Abstand zu mir vergrößert und ist mit Pia losgezogen, jedoch in kurzen Abständen hat er immer Blickkontakt mit mir aufgenommen. Der Rückruf klappt, seit er das Handzeichen beherrscht, einwandfrei.

Erfahrung in der Hundeschule:

Seit Aron 14 Wochen alt ist, geht er mit mir in die Hundeschule. Begonnen haben wir in der dortigen Welpengruppe über die Junghundegruppe bis heute.



So lernte er gleich andere Hunderassen, -verhalten und -kommunikation in seiner Altersgruppe kennen.

Er hat bis heute mächtig Spaß an den Stunden in der Gruppe und hat schnell große Fortschritte gemacht.

Mit Freude führt er das Erlernte aus und ist mit seinem Können seiner Gruppe oft schon ein Stück voraus.

Vergleich hörender Hund Pia und gehörloser Hund Aron im Alltag:

Im täglichen Leben stellt die Taubheit kein Problem dar. Silvesterknaller, laute Musik, die Haustürklingel stören ihn nicht.




Aron wirkt ausgeglichen, lebensfroh, neugierig, lernwillig und hat einen tiefen gesunden Schlaf.

Er lässt sich durch die Stimmlage nicht verunsichern was bei der hörenden sensiblen Pia eher der Fall ist.

Durch das Fehlen eines der 5 Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen, sind die anderen Sinne ausgeprägter.

Er liebt mehr Körperkontakt zu halten was ihm den Spitznamen Kuschelbären eingebracht hat.

Er reagiert stärker auf Futter, was das Loben beim Lernen sehr erleichtert, Schnüffelspiele machen ihm große Freude und meine Signale sieht er sehr gut, auch aus dem Augenwinkel.

Es nimmt wesentlich mehr Sichtkontakt auf als Pia. Er bellt nur wenn er sein Rudel zusammenführen möchte und Pia bellt nur bei Spielaufforderung. Beide verbellen gerne mal Personen die ihnen nicht geheuer sind.

Er kann über 20 Sichtzeichen ausführen. Noch diesen Herbst wollen wir uns die Junghundeprüfung abnehmen lassen.

Art der Erziehungsmethoden:

Jeder Hund muss Hör- oder Sichtzeichen erst einmal lernen. Dem Hund ist es egal, welche Kommunikationsform er lernt!


Die Kommunikation mit einem tauben Hundes läuft über Sichtzeichen, Mimik, Vibrationen und das Einsetzen von Körpersprache.

Zusätzlich zu den Sichtzeichen wird mit dem tauben Hund gesprochen, dadurch wird die Mimik deutlicher und die Menschen, die auf das Mensch/Hundegespann treffen hören, dass Mensch mit seinen Hund im Kontakt ist.

Aron geht mit mir zur Unterordnung in die Hundeschule, lernt spielerisch Agility (einige Geräte im Garten) und Tricks wie Pfötchen geben, suchen und apportieren vom Dummy oder Spielzeug.

Vieles was Aron mir von sich aus an Verhalten angeboten hat habe ich dann auf ein Sichtzeichen auftrainiert. Auch haben wir Intelligenz-Spielzeug zur Verfügung, womit er sich gerne die Wintermonate versüßt.

Häufige Äußerungen und Fragen von Passanten an mich:

Wie taub, hört der den nix? Kann der bellen? Wie hört der denn? Der darf wohl nie von der Leine? Wie ruft man den denn? Ach der arme! Wo sind denn die anderen 100?



Meine Antworten darauf: Der Aron ist gehörlos, kann also Schallwellen nicht hören, nur fühlen. Ja er kann bellen, gehörlose Menschen geben auch Laute von sich.

Da er nicht hören kann kommunizieren wir mit Gebärdensprache/Sichtzeichen wie es gehörlose Menschen auch tun.

Aron läuft in sicherem Gebiet also ohne Autoverkehr seit seiner 10'ten Lebenswoche ohne Leine.

Aron reagiert sehr zuverlässig auf das Handzeichen "Komm" und wir haben ihm ein Vibrationshalsband (vergleichbar mit einem vibrierenden Handy in der Brusttasche) auftrainiert, welches bei Verlust des Sichtkontaktes zum Einsatz kommen kann.

Er ist nicht arm dran, er hat genauso viel Lebenswillen und Lebensfreude wie unsere hörende Hündin Pia und die anderen 100 sind zu Hause :-).

Frage an Aron:

Was ist beim Umgang mit einem gehörlosen Lebewesen zu beachten?

Zuerst mal, ich bin ein ganz normaler Hund und möchten auch so behandelt werden.



Fragt meinen Menschen in welcher Sprache er mit mir kommuniziert und er wird euch antworten: Zeichensprache... .

Vielleicht drückt man euch auch eine Übersetzung in die Hand.

Dann könnt auch ihr mit mir sprechen.

Bitte nicht wild vor meiner Nase herumwedeln, dann verstehen auch ich nur "Bahnhof".

Ich möchte, dass man mich anschaut, wenn man mit mir kommunizieren möchte.

Bitte beginnt eine Kontaktaufnahme nicht an meinem Heck. Wer möchte gerne, wenn er so verträumt in die Welt schaut oder gerade was spannendes beobachtet plötzlich von hinten angefasst werden, auch meine hörende Freundin Pia mag das nicht.

Dieser Schreck kann unliebsame Reaktionen auslösen. Nicht wenige von uns springen erschrocken zur Seite, andere können sich so bedroht fühlen, dass sie sich wehren. Ich finde es einfach doof.

Wenn ich schlafe, und das tue ich sehr tief und entspannt, merke ich nicht wenn sich mein Rudel/meine Familie entfernt, ich möchte vorsichtig mit leichten Berührungen aufmerksam gemacht werden, niemand möchte plötzlich über Nacht alleine auf der Welt sein, ich auch nicht.





Auch ich möchte meinen Gegenüber hündisch erkunden, also beschnüffeln und beschauen.

Bleibt dann bitte einfach still stehen und beugt euch nicht über mich.

Ich möchte auch immer die Möglichkeit haben mit meinem Menschen in Sichtkontakt zu treten, also bitte versperrt nicht die Türen wenn ihr im Wohn- oder PC-Zimmer sitzt, vergesst nicht, ich höre weder Nachrichtensprecher oder Tastengeklapper.

Klar gebe ich auch mal Lautäußerungen von mir, die höre ich ja nicht, nur Frauchen kommt dann immer an und zeigt mir das "Nein", na ja, also mache ich dann Schluss damit, bzw. habe ich schon einige Male bemerkt, dass es nix genutzt hat sich so zu verhalten, also kann ich es auch gleich lassen.

Ich habe das große Glück mit der hörenden Pia zusammen leben zu dürfen, die zeigt mir lehrreiches aber auch Unsinn, den Unsinn muss mein Mensch dann wieder wegtrainieren. Gut ist natürlich, dass ich mich in vielen Dingen an ihrem Verhalten orientieren kann und überhaupt ist ein Artgenosse im Rudel wunderbar.

Fazit:

Aron ist meine Schokoschnute und Pia meine Lakritznase.

Wenn beide durch die Gegend sausen merkt keiner das Aron ein besonderer Hund ist.

Nie haben wir bereut, Aron in unser Rudel aufgenommen zu haben, er ist eine Bereicherung für unser und auch für Pias Leben.

Beide ergänzen sich prima. Für Bekannte und Freunde haben wir einen Sichtzeichenkatalog erstellt, das hilft ungemein auch dem Hundesitter.

Bini im September 2007


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