D o l l y


Das Leben mit einem blinden Hund stellte ich mir sehr schwierig vor, vielleicht auch nur, weil ich bis dahin nur Erfahrungen mit tauben Hunden hatte.

Taub empfand ich nicht als Handicap, da Hunde ja mehr unsere Körpersprache "lesen" und verstehen, als das, was wir ihnen dauernd erzählen.




Dann kam der Tag an dem ich Dolly im Internet sah - ich war verliebt, total verstrahlt von diesem kleinen Wesen, sah mir jeden Tag ihr Foto im Internet an.

Dolly hatte da bereits ein zweistelliges Alter und sie war blind.

Ich quälte mich mit tausend Fragen:

Könnte ein so alter Hund sich in unser Rudel aus Hunden und Katzen einleben? Käme sie hier überhaupt jemals zur Ruhe und würden wir die Herausforderung mit einem blinden Hund zu leben meistern?






Fast 4 Monate quälte ich mich mit diesen Gedanken, aber ich konnte Dolly nicht vergessen und schließlich holten wir sie zu uns.

Gut gelaunt und selbstbewusst erkundete Dolly ihr neues Zuhause, fegte in sekundenschnelle alle meine Ängste beiseite.





Probleme mit Hunden und Katzen hat Dolly absolut gar nicht, ist auch durch ihre Blindheit nicht mürrisch, ängstlich oder schreckhaft und daß obwohl sie nicht immer blind war, denn sie erblindete weil sich nie jemand um ihre trockenen Augen gekümmert hat.

Dolly hat mir gezeigt, daß auch ein blinder Hund nicht "schwierig" ist, denn ihr ist es piep-egal, daß sie nichts mehr sehen kann.





Sie meistert ihr Leben so bewundernswert, geht gut gelaunt in den Tag, klaut unseren Katzen das Spielzeug und weiß sehr genau was sie will, denn sie ist kein willenloses Wesen.



Sie nimmt ihr Leben frohen Mutes an, daß ihr Leben "Dunkel" ist, spielt für sie keine Rolle denn sie orientiert sich nicht an ihrer Behinderung, sondern nimmt diese als gegeben an - für sie zählt Liebe und Zuwendung und jeder neue Tag, denn es lohnt sich zu leben auch wenn man blind ist.

Sie ist mein größter Lehrmeister und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken.

Es ist als sei sie schon immer da gewesen.


Druckversion