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Fips, Biene, Rosi und Camaron
Vom Leben mit dreibeinigen Hunden - aus dem Nähkästchen geplaudert :o)

Wenn Sie sich bereits ein wenig auf unserer Seite oder in unserem Forum umgeschaut haben ist Ihnen möglicherweise aufgefallen, dass wir unser Leben gleich mit vier dreibeinigen Hunden teilen. Wie konnte es nur soweit kommen, fragen Sie sich vielleicht - zugegeben, wir fragen uns das gelegentlich auch! - und deshalb möchten wir Ihnen an dieser Stelle ein wenig mehr über uns erzählen.
Fips zieht ein - das "Unheil" nimmt seinen Lauf

Nach dem Tod unseres alten Dackelmädchens Trixi sollte unsere zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon sehr betagte Mischlings-
hündin Toxi wieder Gesellschaft bekommen.
Wir wollten uns deshalb im örtlichen Tierheim wieder nach einem Hund etwas älteren Baujahres umschauen - gekriegt haben wir stattdessen Fips.
Zu diesem Zeitpunkt etwa 4 Jahre alt, rechtes Vorderbein aus welchem Grunde auch immer amputiert, linker Ellenbogen kaputt, mehr kriechend als laufend,... aber so süß und lustig!
Uns war schnell klar, wer sich so albern benimmt hat ungeachtet seiner Behinderungen ganz bestimmt noch nicht mit dem Leben abgeschlossen - der sollte es sein, der und sonst keiner!
Und damit bekamen wir eine Aufgabe, an der wir in den nächsten Monaten desöfteren fast verzweifeln, aber auch unendlich wachsen sollten ...
Um ihm wieder ein halbwegs normales Laufen zu ermöglichen wurde Fips kaputter Ellenbogen operiert. Leider ließen uns die damals behandelnden Tierärzte lange über die tatsächlichen Erfolgsaussichten im Unklaren.
So lange, bis Fips wenige Wochen nach der ersten Operation wieder genauso schlecht lief wie vorher. Eine weitere OP war unumgänglich, der Ellenbogen wurde versteift. Begleitend erfolgten über lange Monate physiotherapeutische Maßnahmen.
Doch all die Tränen, Sorgen und schlaflosen Nächte haben sich letztendlich gelohnt! Fips wird sicherlich nicht uralt werden, da brauchen wir uns nichts vormachen. Aber so lange er uns zeigt, dass er leben will werden wir kämpfen - mit ihm und für ihn.
Einer ist keiner - Biene kommt!
Am Karfreitag 2005 verstarb unsere geliebte Toxi. Trotz aller Trauer war schnell klar, dass Fips wieder einen Artgenossen braucht.

Über Umwege erfuhren wir von Biene, die bei einer engagierten privaten Tierschützerin in Pflege war.
Nach brutalen Mißhandlungen in ihrem Heimatland Spanien mußte ihr der rechte Hinterlauf amputiert werden.
Schon kurz nach Bienes Einzug wurde uns klar, welch deutlichen Unterschied es zwischen einem fehlendem Vorder- und einem fehlenden Hinterbein gibt.
Eigentlich kein Wunder, schließlich tragen Hunde rund 60% ihres Gewichts auf den Vorderbeinen.
Im Vergleich zu Fips ist Biene deshalb praktisch kaum eingeschränkt, wir würden fast soweit gehen und sie nicht mal als behindert bezeichnen. Sie kann zwar nicht treppauf laufen und nicht aufs Sofa oder Bett springen - jaha, ein Hund mit Handicap hat auch seine Vorteile *ironie* -, aber davon abgesehen macht sie all das was auch ein Hund ohne Behinderung tun würde.
Rosi - unsere ewige Baustelle

Über die spanische Tierschützerin, die schon unsere Biene gerettet hatte, erfuhren wir von Rosi.
Rosi konnte durch mehrere alte Brüche ihr linkes Vorderbein nicht nutzen, der Tierarzt in Spanien riet zur Amputation.
Wir entschlossen uns sie nach Deutschland zu holen, vielleicht konnte ihr Bein hier ja doch noch gerettet werden.
Diese Hoffnung sollte sich jedoch nicht erfüllen, am 01.06.2006 wurde amputiert. Eine Nacht verbrachte Rosi in der Tierklinik - kurze Zeit später sprang sie bereits wieder in unser Bett und lief die vier Stufen zu unserer Haustür auf ihren drei Beinen rauf und runter als hätte sie nie etwas anderes getan.
Ende gut, alles gut? In Rosis Fall leider nicht. Nur wenige Wochen nach der Amputation wurden bei ihr mehrere Milchleistentumore gefunden, die sich als bösartig herausstellen sollten. Ob der Krebs bereits gestreut hat wissen wir nicht, es ist aber im Endeffekt auch nicht wichtig. Sie hat es nun zum vermutlich ersten Mal in ihrem Leben gut und soll jeden weiteren Tag genießen - mögen es hoffentlich noch viele sein ...
Inzwischen mußte Rosi infolge einer schweren Entzündung noch eine Zehe am Hinterlauf amputiert werden. Obwohl dies die dritte OP innerhalb weniger Monate war, hat Rosi sich erstaunlich schnell und gut erholt. Zäh wie sie ist, wird sie uns wahrscheinlich alle noch überleben :o)
Camaron - das Quartett ist komplett
Eigentlich hielten wir die "Familienplanung" nach Rosis Einzug für abgeschlossen.

Aber natürlich kam es anders - oder, besser gesagt, Camaron kam.
Nachdem man ihn in Spanien mit mehreren Trümmerbrüchen im rechten Hinterbein ausgesetzt hatte, war auch in seinem Fall eine Amputation unumgäng-
lich.
Hielten wir schon Biene für kaum behindert, so zeigt uns nun Camaron wie wenig ein fehlendes Hinterbein ausmacht, wenn die verbliebenen drei nur lang genug sind.
Treppen rast er regelrecht rauf und runter, auf Sofa oder Bett zu springen ist eine seiner leichtesten Übungen und wenn man meint, dass Essen auf dem Tisch oder der Arbeitsplatte vor ihm sicher wäre, dann hat man sich schwer getäuscht.
Dem podenco-typischen Jagdtrieb tut seine Behinderung keinen Abbruch, was kombiniert mit seiner unglaublichen Schnelligkeit nicht ganz unproblematisch ist.
Entspannte Schlender-Spaziergänge ohne Leine werden mit ihm wohl nie möglich sein.
Der Alltag mit dreibeinigen Hunden ...
... ist eigentlich nicht großartig anders als der mit vierbeinigen.
Spaziergänge mit unseren Vorderbein-Amputierten Fips und Rosi sind zeitlich nur begrenzt möglich, aber man gewöhnt sich schnell daran sich in dieser Hinsicht ausschließlich nach seinem Hund zu richten.
Biene und Camaron hingegen, denen jeweils ein Hinterbein fehlt, meistern lange Ausflüge ohne Probleme.
Seltsamerweise sind aber alle vier Dreibeiner bei Regenwetter viel schneller erschöpft als bei Sonnenschein ... :o)
Einzig und alleine die Kommentare mancher Mitmenschen sind etwas, an das wir uns wohl nie gewöhnen werden.
Ob das fröhlich des Weges hopsende Dreibein nun einfach zum "armen Hund" degradiert, einem Tierquälerei vorgeworfen oder gar gleich Einschläfern nahegelegt wird - wenn man so etwas ständig hören muss, nervt es einfach.
Solche Bemerkungen sind nicht nur dumm, sie sind auch unglaublich kränkend und ärgerlich.
Lange Zeit hatten wir gehofft, dass sich mit der Zeit ein gewisser Gewöhnungseffekt bei uns einstellen würde, aber darauf warten wir bisher immer noch vergeblich. Das sprichwörtlich dicke Fell will einfach nicht wachsen.
Natürlich gibt es auch angenehme Begegnungen, im Vergleich zu den negativen Reaktionen sind diese aber leider selten.
Wer weiß, vielleicht können wir gemeinsam erreichen, dass sich dies irgendwann einmal ändert? Wir würden es uns wünschen ...
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