
Mischling (Malinois, ChowChow, Cattle Dog)
Hündin, kastriert
Geb. Im July 2004
Erblindet mit ca. 4-5 Monaten
Kurze Vorgeschichte:
Jamie kommt aus Deutschland und wurde vom Vorbesitzer in Wuppertal auf einem Bauernhof gekauft. Bis zum Alter von 8 Monaten wurde sie an einer Heizung angebunden gehalten und erlebte nichts anderes außer Schmerz und Brutalität. Sie bekam fast nie zu essen, trinken nur so viel dass sie gerade überleben konnte. Das Ergebnis war eine Rachitis. Sie durfte nie nach draußen, kannte weder andere Hunde, Menschen, andere Tiere und Umwelteinflüsse.
Sie erblindete aufgrund von Vernachlässigung. Zudem brach man ihr das rechte Karpalgelenk und die Speiche. 8 Rippen, das rechte Dammbein und den linken Oberschenkel.
Ihrem Schicksal selber überlassen ohne Tierärztliche Versorgung vegetierte sie vor sich hin.

Mit 9 Monaten kam sie zu uns. Wir dachten nicht eine Sekunde darüber nach was uns mit einem blinden Hund erwartet. Wir hatten weder Erfahrung mit Handicap Hunden, noch kannten wir Leute die einen blinden Hund haben. Die erste und wirkliche Hilfe habe ich im Forum der Handicap Gemeinschaft gefunden. Die ehrlichen und aufmunternden Worte dort zeigten mir, ja ich habe richtig gehandelt. Wenn auch völlig kopflos, aber dafür mit Herz.

Jamie war anfangs ein apathischer Hund. Sie konnte nicht bis kaum laufen und nicht stehen.
Sie nahm kaum etwas wahr und schlief sehr viel.
Wir bauten sie langsam auf, gaben ihr viele Vitamine und frisches Essen um sie am Leben zu halten.
Ihr rechtes Vorderbein war damals so deformiert das sie es gar nicht benutzen konnte. So war sie nicht nur blind sondern auch körperlich behindert.
Ich weiß heute wie viele Leute es gibt die so was abschreckt, in dem Sinne, dass sie sich so einen Hund nicht zutrauen würden. Ich hoffe mit meinem Bericht die Leute zu erreichen die so denken und zum umdenken zu bewegen.

Ich möchte nichts verschönern, denn es war ein langer Weg bis Jamie zu dem wurde was sie heute ist. Der Weg dauerte 1,5 Jahre.
Ein Weg der mir und meinen Hunden alles abverlangte.
Als Dank bekamen wir das prächtigste Hundemädel was es gibt und dazu noch jede Menge Wissen über Hundeverhalten und Hundesprache kostenlos dazu.
In den 1,5 Jahren haben wir Jamie direkt am Anfang am linken Oberschenkel operieren lassen. Es wurde eine Femurkopfresektion durchgeführt und sie konnte nun endlich schmerzfrei laufen. Mit Physiotherapie und viel schwimmen boomte Jamie innerhalb von nur 8 Wochen zu einer rasenden Hummel heran.

Nun konnte ich beginnen mit Jamie zu üben. Gehorsam war unser oberstes Ziel.
Alles lief über Worte und Geräusche ab.
Dazu war natürlich extrem nützlich das meine Jungs bereits gut ausgebildet waren und auf Zuruf sofort kamen.
Das schaute Jamie sich ab und es verging nur eine kurze Zeit bis sie bei jedem Ruf freudig ankam.

Dazu muss man ehrlicherweise gestehen dass Jamie ein Workaholic ist.
Sie lernt für ihr Leben gerne und sobald sie merkt wir fangen an zu trainieren schaltet sie den Rest der Umwelt ab und ist nur auf das konzentriert was nun kommt.
Wie für jeden anderen Hund auch, ist es auch für Jamie wichtig sie geistig auszulasten. Viele Übungen haben wir anfangs mit Clicker eingeübt weil es eine sehr gute Möglichkeit ist den Hund auf Entfernung zu bestätigen. Da blinde Hunde besonders stark auf Worte achten und diese lernen ist es sinnvoll einen Clicker einzusetzen der immer denselben Ton als Bestätigung gibt. Jedenfalls anfangs, denn so geht man nie Gefahr einen "falschen" Ton in seiner Stimme anklingen zu lassen. Denn auch Ungehorsam muss geahndet werden. Was ich mit einem scharfen "Nein" oder "lass dass" mache.
Innerhalb von nur wenigen Monaten brachte ich Jamie viele Sachen bei. Sie kann das Schema einer Begleithundeprüfung nur auf Wort laufen. Wenn es nicht offensichtlich wäre das sie blind ist, niemand würde es merken. Sehr schnell merkten wir am Anfang dass Jamie ein Waterfreak ist. Sie liebt Wasser, sie braucht es einfach zum leben, es ist ihr Element. Im Wasser ist sie extrem schnell, da sie dort auch ihr behindertes Bein einsetzen kann. Sie apportiert Bälle aus dem Wasser, egal wie weit ich diese werfe und egal ob ruhiger See oder das Meer. Sie hat in den Monaten ihre Ohren und ihre Nase so geschärft, da kommt kaum ein sehender Hund ran. Sie hat in kleinen Schritten gelernt wie man auch zu Lande apportiert und ihr zweiter Name ist Balljunkie. Nach knapp 2 Monaten waren wir soweit dass ich den Ball so weit werfe wie ich es schaffe und Jamie findet und bringt sofort.

Mein Resumée, ein blinder Hund ist sicher eine Herausforderung aber gleichfalls auch ein sehr guter Lehrer.
Aller Anfang ist schwer, besonders wenn man noch nie mit einem blinden Hund zu tun hatte.
Wenn wir aber bereit sind uns voll und ganz auf diese Hunde einzulassen werden wir schnell bemerken dass sie so anders gar nicht sind.

Jamie und Kimba
In unserem Leben ist Jamie nicht mehr wegzudenken und mit ihr wurde uns klar, ein Handicap Hund wird immer bei uns ein zu Hause finden.

Und dies ist das komplette "Terror-Trio" Aaron, Jamie und Kimba
Wer mehr über Jamie und ihre Jungs erfahren möchte, sollte sich einen Besuch auf der Dreamdogs-Homepage nicht entgehen lassen :o)
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