J o y c e

Joyce ist ein StaffMix aus "illegaler Zucht" von Zigeunern aus Duisburg. Illegal, weil man 2001 schon keine Nachkommen dieser Rassen (oder auch Mixe) mehr auf die Welt kommen lassen durfte.

Die Zigeuner bekamen eine Ordnungsstrafe und das Ordnungsamt kontrollierte, wo die Welpen einzogen. Hut ab vor dem OA in Duisburg. Gute Arbeit!




Bis zu ihrem 2. Lebensjahr war sie der aktivste, agilste, wendigste und sozialverträglichste Hund, den ich kannte.

Im November 2003 (wir wohnten mittlerweile in Frechen bei Kölle) zeigte Joyce von heute auf morgen eine Art Lähmungserscheinung auf der Hinterhand.

Wir sind zum ortsansässigen TA, der HD röntgte und auch Dackellähmung ausschloss und die Auffälligkeit herunterspielte. Verordnete Medikation verbesserte ihre Lage nicht.

Zwei, drei Tage später brach unsere Joyce förmlich zusammen. Wieder zum TA. Diesmal tippte er auf Epilepsie und verschrieb uns Epilepsie-Medikamete, die wir unserem Hund gar nicht gaben, weil selbst wir als Laien erkannten, dass es nicht jene Form der Epilepsie sein konnte.

Am nächsten Tag (es war mittlerweile so schlimm, dass Joyce aussah, als ob sie Rinderwahnsinn hätte - sicherlich sind noch die Bilder von den Rindern auf den Hängern bekannt, die zusammenbrachen ??), dass wir in Duisburg zur Tierklinik fuhren.

In der Tierklinik machte man uns keine Hoffnung. So eine Krankheit hatten sie wohl noch nie gesehen. Sie brach zusammen, ihre Sinne funktionierten nicht mehr. Sie lief vor Wände, schwanke, prallte ab und stürzte.... Joyce musste über Nacht dort bleiben, man konnte uns nicht sagen, ob wir sie am nächsten Tag lebend wiedersehen würden. Es war schrecklich!

Untersucht wurde sie auf Borreliose, Retinatest im Auge, Gleichgewichtssinn im Ohr, Liquoruntersuchung (weil Verdacht auf Hirnhaut- oder Gehirnentzündung), Kopf wurde geröngt und so weiter...

Ergebnis: Unser Hund hatte im Prinzip nichts.



Das Hirnwasser war klar (auch das Laborergebnis zeigte, dass noch nicht mal erhöhte Leukos im Blut waren...), Gleichgewichtssinn i.O., kein Tumor im Kopf, Retina normal und keine Borrelien im Blut. Schlaganfall wurde nun nicht ausgeschlossen, obwohl sie ja gerade mal 2 Jahre war.

Wir konnten unseren Hund, Gott sei Dank, am nächsten Tag abholen.

Ihr ging es den Umständen entsprechend. Vollgepumpt mit Antibiotika und Cortison vegetierte Joyce dann ca. 1 Woche bei uns zu Hause.

Ich rief in der Klinik an und sagte, dass das nicht unser Hund sei. Falls sie den Rest ihres Lebens so unter Medikamenten vegetieren müsse, dann sei das Leben doch nicht lebenswert. Sie lag nur, nässte ein, war apathisch. Nach Absprache mit dem Prof. setzten wir die Medikamente langsam ab.

Von Tag zu Tag besserte sich ihre Situation. Aus ihr wurde wieder ein lebensfroher Hund, der jedoch manchmal schwankte, stürzte, stolperte, sich beim rennen überschlug.

Diese Symptome sind bis heute geblieben. Sie haben sich sogar (sehr langsam!! - Joyce ist mittlerweile 6 Jahre) verschlechtert.

Joyce ist aber so voll Lebensfreude, liebt ihre Freunde und ist kaum zu bremsen. Ich lasse sie nicht mehr freilaufen.

1. verträgt sie sich seit dem sie krank ist überhaupt nicht mit anderen Hunden - außer sie kennt die Hunde schon lange und kann ihnen vertrauen (deshalb war sie auf den Tierschutzfesten auch immer im Stand und niemals draußen in der Hundemasse)

2. würde sie sich wahrscheinlich irgendwann mal das Genick brechen, wenn ich nicht wie eine Glucke ihre Freudessprünge kontrollieren würde. Joyce mag auch nicht von Menschen angefasst werden. Ich lasse niemals einen Menschen an sie ran.


Wir haben uns damit abgefunden, dass man uns nicht sagen konnte, welche Krankheit unser Hund hat. Wir leben mit ihrem Schwanken, mit ihrer Unverträglichkeit, mit ihren Stürzen.

Joyce fällt, steht wieder auf, schüttelt sich und macht wieder einen Sprung.

Sie arrangiert sich mit ihrer Schwäche, so wie wir auch!

Nun gab' mir vor 3 Tagen unsere Handicap-Gruppenleitung das Heft "Breeder special" der Hundewelt-Zeitschrift. Dort ist auf 5 Seiten ein Bericht über die "Zerebelläre kortikale Abiotrophie" zu finden. Jene Krankheit ist eine Degeneration des Kleinhirns und wird nur bei Staffords vererbt. Die Krankheit ist sehr unbekannt und relativ selten.

Nach dem "Studium" dieser 5 Seiten kann ich sagen, dass die Beschreibung zu 100 % zu unserer Joyce passt. Krankheitsverlauf, Symptome usw. Die Krankheit ist nicht behandelbar und auch nicht heilbar.

Wir haben nun am Donnerstag Kontakt zum forschenden Professor an der Uni Schweiz aufgenommen. Dort machen sie eine Studie über diese Krankheit, die wohl nur am toten Tier innerhalb einer Histologie bestätigt werden kann.

Wir haben nicht vor, dass unser Hund nun zum Forschungsobjekt wird. Sie soll die Jahre, die sie hat, glücklich und ohne Stress mit ihren liebsten Hunde- und Menschenfreunde um sich erleben.

Ich erhoffe mir aber, dass ich noch mehr über jene Krankheit erfahren kann. Über Lebenserwartung, mögliche Eindämmung und und und

Uns ist klar, dass Joyce wohl nicht so alt wird wie ein "normaler" Hund. Sie ist nicht leicht zu Händeln, aber wir lieben sie so sehr - und sie liebt uns, Wir möchten sie nicht missen. Egal was sie nun wirklich hat, wie die Krankheit heißt.

Für uns ändert sich nicht viel. Hauptsache wir sind glücklich miteinander!

Julia, im Juli 2007


Joyce teilt sich Bettchen, Fresschen, Frauchen und Herrchen mit





dem kleinen Einstein, einem reinrassigen West Highland White Terrier Rüde, welcher aber weder rein noch rassig ist :-)






und Gretchen,
auch genannt Grete-Rakete :-)

Homepages:

www.hunderun.de und www.grete-rakete.de


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