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Ich möchte mit meinem folgenden Beitrag Hundehaltern mit gelähmten Hunden die Hoffnung geben, dass ein Hund wieder laufen lernen kann mit Hundephysiotherapie.

Mein Fall ist ein 11jähriger Cocker-Spaniel, der nach 9 Monaten Lähmung wieder laufen lernte:



Lui erlitt beim Spielen im Garten im Anfang August 2007 einen Bandscheibenvorfall TH13/L1. Er brach zusammen und konnte nicht mehr laufen.

Sofort kam er in eine Spezial-Tierklinik, die eine Hemilaminektomie vornahmen. Dabei wird ein Teil des Wirbelkörpers entfernt und der Druck von der Bandscheibe genommen. Nach der OP war das rechte Hinterbein immer noch komplett gelähmt und das linke Hinterbein hatte starke Ataxien, d. h. Bewegungseinschränkungen. In den nächsten 9 Monaten konnte er nicht laufen, sondern robbte sitzend durchs Haus oder wurde mit einem Schal unter dem Bauch angehoben vor die Haustür geführt, um sein Geschäft zu verrichten. Im Haus war er inkontinent, da die Nervenschädigung auch den Schließmuskel betraf.

Der behandelnde Tierarzt bestätigte nach 4 Monaten, dass keine Heilung möglich wäre und Lui nie wieder laufen könnte.

Im Mai 2008, neun Monate nach dem Unfall, acht Monate in denen der Hund nicht laufen konnte, kontaktierte der Hundehalter mich und fragte, ob mit der Physiotherapie etwas zu machen sei.

Hier ein kurzes Video:

http://www.myvideo.de/watch/4411514

Die erste Untersuchung zeigte starke Muskelverspannung am gesamten Rücken, die Muskeln an den Hintergliedmaßen war so gut wie nicht mehr vorhanden, am rechten Hinterlauf war Reflex auslösbar, das Bein war bewegungslos, der linke Hinterlauf zeigte einen verlangsamten Stellreflex.

Nach nur fünf Behandlungen begann Lui vermehrt aufzustehen, konnte für 5 Minuten stehen, und begann, sein gelähmtes Hinterbein an den Körper ranzuziehen. Wenige Behandlungen später bewegte sich Lui nicht mehr in Sitz-Robben-Stellung vorwärts, sondern stand auf, tat einen Schritt, fiel hinten um, stand wieder auf, lief zwei Schritte, fiel wieder um usw.

Weiter intensive Physiotherapie führten dazu, dass Lui nun wieder an der Leine spazieren geführt werden kann. Er muss langsam laufen, damit er sein ehemals gelähmtes Bein, kontrolliert bewegen kann, aber er läuft. Lui bekam ein spezielles Sicherheitsgeschirr, bei dem die Leine in LWS-Bereich eingehakt wird. Wenn er stolpert, kann der Besitzer ihm einfach wieder aufhelfen.

Der Besitzer war zu Tränen gerührt, als er seinen ehemals gelähmten Hund das erste Mal wieder zum Strand (300 m Distanz von zu Hause) spazieren führen konnte.

Hier ein Video, das ich gestern, 6 Wochen nach meinem ersten Besuch aufgenommen habe:

http://www.myvideo.de/watch/4478965



Lui lernte also nach neun Monaten Unbeweglichkeit seine Hinterbeine wieder zu bewegen, diese Besserung des Gangbildes ist mit Physiotherapie möglich und ich möchte festhalten, dass dafür kein Unterwasserlaufband oder Schwimmbad benötigt wurde.

Lui ist sicherlich kein Einzelfall, da ich auch schon einem anderen gelähmten Hund wieder zum Laufen gebracht habe. Aber es ist auch keine Garantie, dass jeder gelähmte Hund wieder laufen kann.

Aber die Chancen sind da.

Freitag, den 20. Juni 2008

Text und Fotos: Stefanie Rüffer, Hundephysiotherapeut, www.dogphysio.eu

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