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M o n t y

Shapendoes Rüde
20.4.1995 - 22.9.2008
Blind und später taub
Es sollte ein Hund mit wenig Jagdtrieb sein, haben mich doch meine beiden Husky-Damen, was das anging, einige Nerven gekostet.
Letztendlich entschied ich mich für einen Hütehund,einen holländischen Shapendoes.
Ich bekam vom VDH einen Züchter in Holland empfohlen. Ich taufte den winzigen Burschen Monty, (nach Monty Python, der so lustige Filme machte), denn der kleine Rabauke hatte wirklich nur Unsinn im Kopf.

Nach 18 Monaten wagten wir uns ans Agility, für dieses Powerpaketchen schien das genau das Richtige zu sein, Talent hatte er auch, außer, dass er beim Weitsprung immer ins Hindernis sprang, statt darüber.
Darüber hinaus war mir beim Bällchenwerfen aufgefallen, dass er schon als Welpe oftmals in die falsche Richtung lief.
Also suchte ich mal einen Tierarzt auf und sagte scherzhaft: "Ich glaube, mein Hund braucht ne Brille." - Tierarzt: "Sie wissen, dass ihr Hund so gut wie blind ist, oder?"
Ich dachte, ich sei im falschen Film, er war doch bei der Welpenübergabe auf Augenkrankheiten hin untersucht worden.
Ich ging mit ihm zu einer Augenfachärztin. Sie diagnostizierte PRA mit der Prognose, dass Monty bald überhaupt nichts mehr sehen könnte. Das traf mich, wie der Schlag.
Mir ging direkt durch den Kopf: "Das geht doch alles nicht, muss ich ihn jetzt einschläfern lassen?.."
Die Ärztin beruhigte mich und sagte: "Na warten Sie doch erst mal ab und beobachten Sie seine Befindlichkeit, außerdem, er hat doch nie richtig gucken können unter seiner Haarpracht."

So begann mein Leben mit einem blinden Hund.
11 Jahre lang haben sich Mensch und Hund (da bin ich ganz sicher) ganz prächtig am Leben erfreut.
Monty verlor nichts von seiner Fröhlichkeit. Dass ich schon früh mit der Hundeschule begonnen habe, zahlte sich natürlich aus. Kommandos wie "hierher", "halt" und "lauf" wurden zu unverzichtbaren Hilfen für unsere Kommunikation.
Monty hatte einen unglaublichen Orientierungssinn. Meine Freundin wohnt im Nachbardorf, 1,5 km entfernt. Sie hat einen stets gefüllten Katzennapf in ihrem Haus. Wie oft bekam ich einen Anruf: "Der Monty ist schon wieder bei uns, kannst du ihn abholen?
Bei sämtlichen Wanderungen lief der Hund ohne Leine und zwar voraus! Wie er das machte, war mir ein Rätsel, jedenfalls lief er nie gegen einen Baum. Ich glaube, er hatte einen ausgeprägten Tastsinn, was seine Füße betraf, er merkte sofort, wenn sich der Untergrund änderte und er vom Weg abkam.
Kamen wir auf eine Wiese, wartete er auf das Kommando "lauf", dann galoppierte er im Affentempo.
Andere Leute glaubten zunächst nicht, dass dieser Hund blind war, bis sie unter seinem Pony die weißen Augen sahen.

Als Monty 5 war, dachte ich mir, es sei ganz gut, wenn er eine Gefährtin bekäme. So brachte ich aus den staubigen Gassen des andalusischen Vera eine Strassentöle mit nach Hause.
Schön war sie, deshalb taufte ich sie auch Bonita. Dass ich es mir so romantisch ausmalte, war natürlich völlig naiv.
Monty fand Bonita ätzend, Bonita fand Monty zum Kotzen.
Die Senorita entwickelte sich vom schüchternen Hündchen (mit dem Blick: ach, was bin ich doch für eine arme Kreatur)zum Filou par excellence. Es wurde alles gejagt, was Beine hatte.
Und Monty wurde gebissen. Der Rüde biss immer daneben, er sah ja nichts, aber eines Tages zielte er und das war die Wende. Von da an funktionierte es.
Sie wurden zwar keine Freunde, aber Bonita hat ihn bis zum Schluss, wenn's sein musste, mit den Zähnen verteidigt und beschützt. Ich sah sie sogar eines Tages einmal nebeneinander liegen....

Vor ca. einem Jahr, da war Monty bereits ein alter Herr von 12, kam dazu, dass er zunehmend sein Gehör verlor.
Ab da begannen die Probleme. Er hatte große Schwierigkeit mit der Orientierung.
Er stieß überall gegen etwas, die Kommunikation war erschwert, weil er die Kommandos ja nicht mehr hörte,
dennoch, er spazierte gern (jetzt an der Leine), er fraß gern und freute sich immer noch ein Loch in den Bauch, wenn Besuch kam.
Vor einem halben Jahr erlitt der arme Kerl eine Krankheit, die kognitive Dysfunktion heißt, eine Art von Demenz. Nun war die Orientierung vollends dahin.
Auch hatte er Momente von großer Unruhe.
Für mich begann eine Zeit quälender Zweifel darüber, ob so ein Leben noch lebenswert sei....
Seit 22.September 2008 liegt Monty unter der alten Linde in meinem Garten und muss sich nun nicht mehr in einer Welt bewegen, in der er sich am Ende gar nicht mehr zurecht fand.

Ich möchte allen Mut machen, die verzweifelt sind, weil ihr Hund blind ist oder wird.
Monty hatte soviel Spaß am Leben,
dass er anderen noch reichlich von seiner Fröhlichkeit abgeben konnte.
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