S k y

Sky kam im März 2008 im Alter von ca. einem Jahr zu uns.

Er ist ein Australian Shepherd, vielleicht auch ein Aussie- Mix. Er stammt vermutlich aus einer Merle/Merle- Verpaarung, denn er ist von Geburt an beidseitig blind und einseitig taub.

Bevor er mit ca. 4 Monaten ins Tierheim kam wurde er wohl schon durch mehrere Hände gereicht. Seine letzte Familie hat ihn nach 2 Tagen ins Tierheim gebracht, weil er nach dem Kleinkind geschnappt hat.




Seine Erlebnisse mit Kindern müssen so tief verwurzelt sein, dass seine Reaktion auf Kinder anfangs auch hier ein Problem war.

Die Schnapperei nach meinem Sohn erforderte einiges an Arbeit mit dem Hund und natürlich meinem Sohn - aber es hat sich gelohnt. Beide, Sohn und Hund, liegen heute Nase an Nase zusammen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

Der Tierheimbeschreibung nach sollte Sky blind und fast taub sein.

Wir ließen seine Augen von einer Augenspezialistin untersuchen, die die Diagnose bestätigte.

Operabel wäre nur der Graue Star, nicht aber die anderen Missbildungen an seinem rechten Auge. Eine OP sei wenig Erfolg versprechend, am linken Auge schon gar nicht.

Anfangs hielt ich mich an dieser minimalen Chance fest. Zu gern hätte ich Sky die Sterne vom Himmel geholt, ein kleines Wunder passieren lassen. 14 Tage konnte ich keinen klaren Gedanken fassen, war zu keiner Entscheidung fähig und niemand wollte sie für mich treffen.

In der Zwischenzeit zeigte mir mein Hund täglich, wie gut er zurecht kam und dass ER seine Augen zum glücklich sein nicht brauchte. SEIN kleines Wunder war bereits geschehen.

Ich holte eine zweite Meinung bei einer anderen Spezialistin ein. Es gab keine OP und es wird keine geben.

Wenig später, nachdem Sky sich etwas eingelebt hatte erschien es uns, als ob er zunehmend besser hören konnte. Wir waren uns nicht sicher, ob es daran lag, dass wir uns so an ihn gewöhnt hatten oder ob es tatsächlich besser wurde. Sky schien manchmal die Flöhe husten zu hören, im Freilauf dagegen hatte ich den Eindruck, dass er mich hören kann, aber nicht findet.

So entschlossen wir uns, eine audiometrische Messung durchführen zu lassen, um endlich Klarheit zu bekommen, wie viel er hören kann.



Das Ergebnis war genauso überraschend wie erfreulich, denn Sky ist nicht fast taub, sondern "nur" EINSEITIG TAUB! D.h., er kann hören, hat aber kein räumliches Hörvermögen.

Unser Eindruck, dass es immer besser wird war also richtig, denn der Tierarzt meinte, dass Sky lernt, mono zu hören, weil er vorher noch keine Gelegenheit hatte, sein Gehirn zu trainieren.

Sky hatte bei uns ein Ohr wiedergefunden! Dieser Hund ist wirklich immer für eine Überraschung gut.

Das eröffnete uns ganz neue Möglichkeiten.

Was das räumliche Hörvermögen angeht trainieren wir jetzt verbale Kommandos wie ZURÜCK- LINKS- RECHTS- VORSICHT- TREPPE.

Es wird noch eine Weile dauern, bis er alle Kommandos sicher beherrscht, aber wir arbeiten dran. Je besser er die Hörkommandos beherrscht, umso weniger behindert uns die einseitige Taubheit.

Zusätzlich zu den Hörzeichen arbeite ich im Nahbereich auch mit Körperzeichen, d.h. ich berühre den Hund sanft während ich das Hörzeichen ausspreche.

Sky braucht genau die selbe Erziehung wie jeder andere junge Hund.


Meine beiden anderen Hunde sind mir dabei natürlich eine große Hilfe, denn Sky orientiert sich auch an ihnen.

Grenzen gibt es natürlich, er wird z.B. nie Agility oder Frisbee spielen können, aber das scheint er bisher auch noch nicht zu vermissen.

Er ermüdet etwas schneller als meine beiden anderen Hunde, gerade wenn es sehr warm ist. Das ist allerdings nicht verwunderlich, denn Nasenarbeit ist auch für sehende Hunde sehr anstrengend, daher braucht er auch deutlich mehr Futter.

Sky ist jetzt 5 Monate bei uns und er kommt jeden Tag ein bisschen mehr an.

Habe ich nach ein paar Tagen, dann nach einigen Wochen gedacht, dass er sich eingelebt hat und sich gut zurecht findet, so muss ich heute immer noch feststellen, dass es jeden Tag noch besser und vor allem leichter wird.

Er ist ein fröhlicher und gut gelaunter Hund geworden, hat schon viele Ängste überwunden und ich bin froh, dass meine beiden anderen Hunde sich so gut mit ihm arrangiert haben (auch das wird jeden Tag besser).

Ich war überzeugt davon, dass aus Sky ein ganz toller Hund werden kann, wenn man ihm die Chance dazu gibt - und ich habe einen ganz tollen Hund bekommen.

Als wir Sky bei uns aufnahmen habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, wie er zurechtkommen wird, wie ich richtig mit ihm umgehe, welche Möglichkeiten ich überhaupt habe, ihn zu erziehen. Notfalls, dachte ich, kann er nur im eigenen Garten frei laufen.

Aber all diese Überlegungen habe ich ohne Sky gemacht!!!!


Sky hat gelernt, die ihm verbleibenden Sinne effektiv zu nutzen. Er läuft im Auslaufgebiet ohne Leine.

Er hat keine Probleme mit anderen Hunden, obwohl man ja denken könnte, dass er Drohgebärden nicht wahrnehmen kann.

Ich habe den Eindruck, dass Sky noch lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten angekommen ist, er fängt gerade erst an - und ich lass mich gerne darauf ein.

Das Vertrauen, das er mir nach der kurzen Zeit schon entgegenbringt bedeutet mir sehr viel.

Es ist ein Geschenk, das ich dankbar annehme.

Willkommen, in Deinem neuen Leben, Sky!

Petra, im August 2008


Druckversion